Durchhänger
Wie motiviert man sich, wenn es eigentlich gar nicht wichtig ist, ob man motiviert ist oder nicht? Fakt ist, dass ich mir ohne Motivation nicht selbst in die Augen schauen kann. Deswegen sind derzeit alle Spiegel mit Tüchern verhängt. Ein wenig Selbstflucht darf doch mal kurzzeitig gestattet sein, oder?
Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, dann bin ich schon irgendwie motiviert. Normalerweise hole ich mir meine Motivation aus meiner Arbeit. Die erledige ich im Moment aber einfach nur. Fachlich und stilistisch solide. Glänzen, funkeln und strahlen tut da nix derzeit. Große Ausnahme: einige meiner Texte für Suite 101. Die sind recht gut. Die schreibe ich aber auch in meiner Freizeit. Und zwar mit Begeisterung. Leben ist doch manchmal echt komisch.
Lied der Woche (12)
Da ich momentan mal wieder Mandy Patinkin rauf und runter höre, dürft ihr auch mal in den Genuss seiner Stimme und seiner Performance kommen. Aber vorsicht bitte. Entweder man liebt oder aber man verabscheut ihn!
Jetzt gelesen (13)
„Stalking“ von Jason Starr
Peter ist unsterblich in Katie verliebt und will den Rest des Lebens mit ihr verbringen. Katie ahnt noch nichts von ihrem Glück, denn sie ist mit Andy liiert. Andy wiederum ist ein absoluter Weiberheld, der nur allzu gerne fremdgehen möchte. Das an sich ist schon eine vertrackte Situation. Hinzu kommt, dass Peter ein psychopathischer Stalker ist, der Katie bald schon die Hölle auf Erden beschert… Ein wirklich toller, toller Roman mit scharf gezeichneten Charakteren und absolut glaubhaften Handlungen. Ich habe diesen Krimi mit extrem großem Vergnügen gelesen. Deswegen findet ihr auf Suite 101 jetzt auch eine ausführliche Rezension.
„Federkleid“ von Banana Yoshimoto
Bereits seit „Kitchen“ bin ich bekennender Banana-Fan. Sie gibt eben nicht nur den japanischen Zeitgeist wunderschön poetisch wider, sie macht ihn auch für uns Europäer gut verdaulich. Wie in fast jedem ihrer Romane, geht es auch in „Federkleid“ um Sehnsüchte. Aber nicht nur. Hier muss die Protagonistin Hotaru nämlich auch mit diversen Verlusten fertig werden. Sie flüchtet von Tokio in ihr Heimatdorf, lässt alte Freundschaften neu aufleben und lernt einen jungen Mann kennen, der ihr irgendwie bekannt vorkommt. Kein Wunder, ist er ihr doch als Kind in einem Koma-Traum erschienen, als sie beinahe gestorben wäre. Und genau das ist dann auch die andere Ebene dieses fast schon märchenhaften Romans: Die Welt der Geister, Spiritisten, das Übersinnliche an sich. Dabei bleibt Banana Yoshimoto dank ihrer klaren Ausdrucksweise immer schön bodenständig. Ein wirklich meisterhafter literarischer Spagat. Mir hat der Roman so gut gefallen, dass ich natürlich auch für Suite 101 eine ausführliche Rezension geschrieben habe.
„Die unsichtbaren Stimmen“ von Carolina De Robertis
Hier ein sehr, sehr seltener Fall: Ich habe diese Lektüre abgebrochen. Eigentlich bin ich ja ein Fan von Generationsromanen – vor allem, wenn es um drei Frauen einer Familie geht (Kate Morton und ihr „Verborgener Garten“ lassen grüßen), aber das war nun wirklich ein Griff ins Klo. Die Geschichte spielt in Uruguay – aus diesem Land kommen auch die Eltern der Autorin, die in England, der Schweiz und in den USA aufgewachsen ist. Ihr Schreibstil ist aber definitiv südamerikanisch: nüchterne Endlossätze und Beschreibungen quälen sich durch die Zeilen, töten jede Form von literarischer Atmosphäre und lassen den Leser kalt abprallen. Eigentlich werden nur banale Fakten aneinander gereiht. Das ist nicht nur langweilig, das ist nervtötend. Da sind mir die Schicksale von Pajarita, Eva und Salomé herzlich egal. Fazit: Ein schrecklicher Debütroman. Und ich bin mal gespannt, ob andere Südländer eher etwas für mich sind, oder ob ich mich mit ihnen ebenso schwer tue wie mit den Russen. Das wird sehr bald ausgetestet.
„Nachbar günstig abzugeben“ von Jana Krivanek
Habe mich dem Schreibstil vom Debütroman angepasst. Dumme Sache das. Roman auch dumm. Ist zu oberflächlich und unglaubwürdig. Habe es trotzdem ausgelesen. Habe Verriss für Suite 101 geschrieben – in ganzen Sätzen. Da erfahrt ihr auch die Geschichte. Habe fertig. (P.S.: Stehe inzwischen mit Autorin im E-Mail-Verkehr. Nimmt mit Verriss nicht übel. Erstaunliche Sache das.)
„Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ von Junot Díaz
Ein Leben zwischen zwei Welten: Der tollpatschige Oscar wird in der Dominikanischen Republik geboren, wächst aber mit seiner Schwester in New Jersey auf. Nach außen schüchtern, ist sein Innenleben reich an Gefühlen, die ihm sein Dasein als Farbiger am Rande der Gesellschaft leichter ertragen lassen, bis er sich unglücklich verliebt … Junot Díaz wurde nicht ohne Grund für diesen Roman mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Sein Sprachstil ist exotisch, rasant, ironisch und feinfühlig zugleich. Ein Meisterwerk der Erzählkunst. Fazit: Südamerikanische Literatur kann doch ganz toll sein.
Montägliche Sauereien
Zugegeben, dies ist für mich ein halböffentlicher Raum, aber wenn nicht hier, wo dann: DAS IST ALLES EINE SCHREIENDE UNGERECHTIGKEIT!!!
Was ist passiert? Eines unserer Kundenmagazine wird nächsten Monat eingestellt. Für unsere Obrigkeit der ideale Anlass, um gleich mal fünf Leute zu feuern. Wir haben alle das Heft zwar nebenbei gemacht, aber hey, Geld ist Geld. Da kann man doch einsparen. Scheiß auf die Qualität. Zuerst ging der Kündigungskelch an meiner Redaktion vorüber. Dann wurde allerdings entschieden, dass eine Volontärin zukünftig als Springer für Lokal- und Fachredaktion fungieren soll. Also wurde die Lokal-Volontärin wieder eingestellt und zur Hälfte mir eingeteilt. Tja, und ich hatte vorhin die dankbare Aufgabe, meiner Volontärin zu sagen, dass sie gefeuert ist. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so derart mies gefühlt. Zumal mein Bambi wie ein Schlosshund geweint hat. das ist doch alles nicht fair! In beiden Redaktionen strukturieren wir jetzt total um. Jeder muss jedem helfen, damit wir die Masse überhaupt noch bewältigen können.
Ist aber auch echt typisch. In den vergangenen drei Wochen lief es einfach zu gut. Ich war sogar richtig zufrieden. Und jetzt das. Vor lauter Aufregung habe ich schon Kopfschmerzen. Heute Abend mache ich freiwillig Sport. Ich muss mich unbedingt abreagieren! Für morgen habe ich mir frei genommen. Muss aus diesem Sumpf unbedingt mal raus. Sonst fange ich das Töten eventuell doch noch an.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Banale Alltäglichkeitereien
Von meerluft animiert, folgt nun ein Konglomerat aus allen Gedankensplittern, die mich vergangene Woche mal kurz, mal länger beschäftigt haben.
Paarstreitereien: In meinem Umfeld bröckeln Beziehungen. Die einen können sich nicht einigen, wer sich um Baby Nummer zwei kümmern soll (ich berichtete), die anderen haben sich nach nicht einmal einem Jahr Ehe bereits komplett getrennt (ich berichtete nicht). Fazit: Ich werde bestimmt nicht heiraten.
Klauereien: Man hat mir doch tatsächlich meinen Pass in den Briefkasten geschmissen. Also muss ich den wenigstens nicht neu beantragen. Hat was. Danke, Dieb.
Abnehmereien: Nachdem ich seit April wieder etwas zugelegt hatte, ist nun wieder regelmäßig Sport angesagt. Das Ergebnis: drei Kilo innerhalb von zwei Wochen weniger. Weiter so! (Auch wenn es verdammt anstrengend ist)
Schreibereien: Auf Suite 101 wurde am vergangenen Donnerstag ein total irrer Wettbewerb gestartet, für den sich nun alle die Finger wund tippen. Ich natürlich auch. Der Wettbewerb läuft bis zum 28. November, jeder bis dahin eingestellte Artikel bekommt Lose (am Donnerstag waren es 101 Lose, Freitag 100, Samstag 99 …), am 6. Dezember wird der Gewinner ermittelt. Preis: 505 Euro. Fazit: Suite 101 explodiert. Allein am Donnerstag haben 60 Autoren 90 Artikel veröffentlicht. Wir wollen eben alle eine Chance haben – und Suite 101 übersteht dadurch problemlos das Sommerloch. Gewusst wie!
Lobereien: Auf der kanadischen Mutterseite von Suite 101 hat eine Autorin erstmals umgerechnet 3.500 Euro Tantiemen verdient. Das hatte eine gro0e Diskussion auf unserer deutschen Seite zur Folge. Da verdienen manche inzwischen zwar bereits mehrere hundert Euro im Monat, aber das scheint denen, angespornt durch die 3.500, nicht zu genügen. Herzlich gelacht habe ich ob der Bezeichnung „Tantiementiger“, die unser Chefredaktuer prägte. Gefreut habe ich mich, dass er aber auch meinte, dass Qualität am wichtigsten sei, und im gleichen Atemzug die sehr guten Texte im Bereich Theater, Bücher, Politik und Geschichte lobte. Als ständige Autorin für Theater ging das runter wie Öl. Mit meinen Texten verdiene ich nämlich noch immer fast nichts. Mit gut 120 Artikeln habe ich in diesem Monat erst so um die 3 Euro erwirtschaftet. Wenn es nur nicht so viel Spaß machen würde für Suite 101 zu schreiben… Na gut, ich könnte mir auch Themen aussuchen, die mehr Geld bringen würden. Will ich aber nicht. Solch einen Müll muss ich ja schon auf der Arbeit schreiben. Und ich bin eben in meinem Herzen eine Kulturschlampe.
Rechthabereien: Vergangenen Freitag hatte ich eine große Diskussion mit meinem Chef. Ich hatte nämlich keinen Platz mehr für eine Anzeige. Meine Alternativen lehnte er ab. Seiner Meinung nach hätte man nur den Seitenplan etwas umgestalten müssen. Also sagte ich ihm, dass ich dazu wohl zu dämlich sei und forderte ihn auf, es mir doch bitteschön zu zeigen. Ergebnis: Auch bei ihm blieb eine Anzeigenseite übrig. *lol* Also wurde letztlich eine meiner Alternativen gewählt (das Magazin hat jetzt vier Seiten mehr). Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen ihm zu sagen, dass ich den Job nicht erst seit gestern mache. Wenn ich also sage, es geht nicht, dann geht es auch nicht. Er meinte, dass einige andere das oft aus Faulheit sagen würde. Ich darauf: „Ich bin aber nicht einige andere.“ Er: „Aber auch du kannst dich mal irren.“ Ich während des Weggehens: „Selten. Sehr, sehr selten!“ *rofl* Das war fast schon bühnenreif!
Lärmereien: Im Haus gegenüber wohnt ein Kollege von mir. Der ist Techno-Jünger und macht jeden Freitag bei sich in der Wohnung Party. Besonders im Sommer ist das ziemlich lästig, denn die Balkontür steht regelmäßig offen. Und ich kann diese Musik einfach nicht ab. Von all den ultraschnellen Beats bekomme ich Herzrasen. Normalerweise wird es so gegen Mitternacht ruhiger. Nicht aber vergangenen Freitag. Das ärgerte mich dann doch schon sehr. Vor allem, weil ich mit geschlossenem Fenster schlafen musste. Ich verstehe diese Art von Rücksichtslosigkeit nicht, zumal ja auch immer über kurz oder lang die Polizei vor seiner Tür steht. Und ich mache mir schon in die Hose, wenn ich unter der Woche vor 8 Uhr morgens gerne staubsaugen würde.
Ausruhereien: Obwohl ich am Wochenende vier Texte geschrieben habe, bin ich relativ ausgeruht. Es ist befriedigend zu sehen, dass ich die Arbeit, die ich mir vorgenommen habe, auch schaffe. Und mal ganz ehrlich: Wenn ich das Pensum nicht geschafft hätte, hätte ich auch keine Ruhe gefunden. Klar, es ist unwahrscheinlich, dass ich die 505 Euro bei Suite 101 gewinne. Immerhin läuft der Wettbewerb noch 97 Tage und ich kann nicht massenhaft Artikel neben meiner eigentlichen Arbeit produzieren. All die arbeitslosen Journalisten und Rentner haben da weit mehr Zeit und dementsprechend die besseren Chancen. Aber ich kann es ja wenigstens versuchen. Jetzt kann man noch viele Lose abstauben. Auf Dauer muss ich aber wohl leider etwas Tempo rausnehmen. Schade eigentlich, denn ich schreibe derzeit unheimlich gerne an meinen Texten für Suite 101.
Singereien: Am Wochenende habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gesungen. Nur Musicalsongs. Hat aber Spaß gemacht. Und das Beste: Ich kann es immer noch. Wie schön. Trotzdem gut, dass ich keine Musicaldarstellerin geworden bin. Ich höre und schaue mir die Teile zwar recht gerne an, aber jeden Abend auf der Bühne stehen? Nein danke, echt nicht mein Ding. Schreiben ist schöner.
Lied der Woche (11a und 11b)
Heute gibt es gleich zwei Lieder der Woche, denn beide Songs waren diese Woche totale Ohrwürmer für mich. Viel Spaß damit.
Die verstummende Schreiberin
Im Moment habe ich nix zu sagen. So rein gar nichts habe ich zu sagen. Das ganze Wochenende lang habe ich überlegt, was ich hier wohl als nächstes schreiben könnte. Mir ist nichts eingefallen. Nichts. Nada. Warum denn nur? Eine wirkliche Antwort ist mir nicht eingefallen. Bloß ein paar mögliche Erklärungen.
Am Schreiben liegt es nicht. Das mache ich nach wie vor gerne – und ja auch viel. Es ist nur so, dass ich meine Energie momentan eben eher auf meine Artikel richte. Auf der Arbeit tippe ich mir eh die Finger wund. Und auf Suite 101 drehe ich jetzt auch wieder etwas auf. Da bin ich auch ständig auf der Suche nach Themen, die ich verarbeiten kann. Natürlich setze ich mich so wieder selbst unter Druck, weil ich mich selbst nicht als produktiv genug erachte. Ist natürlich kompletter Schwachsinn. Ich bin ja keine Arbeitsmaschine. Deswegen lasse ich den Druck jetzt gerade wieder etwas ab.
Es ist nur so, dass ich derzeit eben nichts anderes mitzuteilen habe. Ich gehe nicht wirklich raus, weil ich mal wieder Zeit für mich brauche. Also erlebe ich auch nichts, was ich hier schreiben könnte. Die Zickereien, die hier stattgefunden haben, will ich auch nicht weiter behandeln. Sie verdienen keine weitere Beachtung. Über die 68er will ich hier aber auch nichts mehr schreiben, denn die lösen nur wieder neue Zickereien aus, und ich würde nur ungern die Kommentier-Funktion sperren wollen. Auf der Arbeit läuft es dank unserer neuen Volontärin richtig gut und der August ist zudem relativ stressfrei. Da gibt es also auch nichts zu berichten. Allzu Privates habe ich hier eh noch nie gepostet. Das soll auch so bleiben. Und wenn mich dann mal etwas anderes interessiert, dann kann ich mich einfach nicht aufraffen, darüber einen kleinen Text für den Blog zu verfassen. Das kommt momentan aber auch recht selten vor, wenn ich ehrlich sein soll.
Vielleicht kommuniziere ich ja zu viel. Ich meine, ich habe dieses Blog, bin bei Facebook und bei Twitter ziemlich aktiv, hänge den ganzen Tag am Telefon oder vor meinem Outlook. Und dann auch noch die ganz rein private Kommunikation. Da stapeln sich die unbeantworteten Mails ins Unendliche. Außerdem müsste ich mal ganz dringend mit ein paar Leuten wieder telefonieren. Aber was soll ich ihnen bloß sagen. Irgendwie passiert in meinem Leben momentan ja nix. Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich finde das eigentlich ganz toll. Ich habe schon so viel Aufregung hinter mir, dass mir diese Art von Ruhe nicht nur gut tut, sondern ich sie auch so richtig genießen kann. Langsam aber sicher mache ich mir aber um das Bild sorgen, das Außenstehende von mir bekommen könnten: eine langweilige Person. Vor allem, wenn sie den Vergleich haben. Meine große Klappe ist geschrumpft, meine Ausdrucksmittel derzeit harmlos. Hilfe, vielleicht werde ich ja wirklich langweilig! Oder bin ich es gar schon? Da verstumme ich an dieser Stelle doch mal lieber und denke darüber nach.
Jetzt gelesen (12)
„Träumer des Absoluten“ von Michael Wildenhain
Jochen, Tariq und Judith wachsen gemeinsam in den wilden 68ern auf. Während Judith mal mit dem einen, mal mit dem anderen zusammen ist, bewahren sich die drei über Jahre hinweg ihre Freundschaft – selbst als Tariq in seinen Ansichten immer extremer wird und letztlich sogar einer Terrororganisation beitritt, während Jochen und Judith heiraten, sich wieder scheiden lassen und ihre bürgerlichen Leben führen. Doch irgendwie zerbricht dann doch alles, und Tariq verlangt von Jochen einen Freundschaftsdienst, der einem als Leser nur Gänsehautschauer über den Rücken jagen lassen kann… Ich habe mich mit dieser Lektüre etwas schwer getan. Zwar sind alle Figuren phänomenal gut beschrieben und die Geschichte ist wirklich beeindruckend, aber Wildenhains Sprache ist mir etwas zu steril. Er beschreibt Gefühle derart nüchtern und mit ausgestrecktem Arm, dass er auch gleich an ihrer Stelle ein Vakuum hätte stehen lassen können. So liest man zwar über Emotionen, kann sie aber nicht nachempfinden. Das ist schade, wird so die Story doch nicht wirklich zum Leben erweckt.
„Die Rache“ von John Katzenbach
In den vergangenen Jahren werden dank seiner inzwischen immens großen Popularität alle alten Kamellen von John Katzenbach in Deutschland erneut veröffentlicht. „Die Rache“ bildet da keine Ausnahme: 1989 geschrieben, 1990 erstmals in Deutschland erschienen, nun neu übersetzt und bei einem anderen Verlag herausgekommen. Ach ja, und natürlich komplett überarbeitet. Die Geschichte hätte aber gerne noch mehr überarbeitet werden können. Prinzipiell ist die Story um Megan und Duncan, die 1968 bei einem Bankraub beteiligt waren, davon kamen, und nun, 1986, die Rache der eben entlassenen Komplizin Olivia, die Sohn und Großvater entführt hat, fürchten, recht spannend, aber einige Passagen sind künstlich in die Länge gezogen. Hinzu kommen die veralteten Kommunikationsmittel, die beim heutigen Leser nur noch ein Gähnen verursachen. Insgesamt wirkt das alles ziemlich altbacken und langsam. Von wegen Psychothriller. Es wird Zeit, dass endlich mal wieder ein wirklich neues Werk von Katzenbach auf den Markt kommt.
„Die Hütte“ von William Paul Young
Eigentlich ist der Autor ja gar kein Schriftsteller. Und eigentlich war diese Geschichte auch nur als Weihnachtsgeschenk für seine sechs Kinder geplant, mit der er seiner Religiosität Ausdruck verleihen wollte. Angeblich wurde es dann aber durch Mundpropaganda in Amiland zu einem absoluten Bestseller, weswegen man nun auch in Deutschland die Geschichte von Mack lesen kann. Der trifft sich nämlich ein Wochenende mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist, weil vor drei Jahren seine jüngste Tochter einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel und er nun endlich wieder gläubig gemacht werden soll. In vielen pseudo-intellektuellen Gesprächen widerspricht sich die Dreifaltigkeit da kräftig selbst. Zum einen wird immer wieder aus der Bibel zitiert, zum anderen sagt aber Jesus, dass er nichts von Religionen hält, da es auf die Spiritualität ankommen würde. Um nur mal ein Beispiel zu nennen. Hinzu kommt, dass die literarischen Qualitäten dieses Romans wirklich unterirdisch sind. Da wäre es doch wirklich besser gewesen, wenn es beim Weihnachtsgeschenk für die Kinder geblieben wäre.
„Die Jesus-Mythen“ von Bernd Kollmann
Nein, hier sollen keine Verschwörungstheorien erneut bewiesen oder widerlegt werden. Kollmann zählt sie auf, sagt, was Fakt ist und was nicht, und überlässt es dem Leser, sich selbst eine Meinung zu bilden. Über zwanzig Legenden kommen so nach und nach auf den Prüfstand und werden herrlich nüchtern durchleuchtet. Natürlich darf da auch ein wenig Dan Brown ebenso wenig fehlen wie die Funde aus Qumran und Nag Hammadi. Mir hat vor allem die duale Argumentation sehr gut gefallen. Hier will der Autor nicht mit allen Mitteln seine eigene Meinung vertreten, sondern fungiert als neutraler Beobachter. Wer mehr über den Inhalt erfahren möchte, der kann sich gerne meine ausführliche Rezension zu „Die Jesus-Mythen“ auf Suite 101 durchlesen.
„Ohne Jeans und Pille“ von Ursula Neumann
Eigentlich habe ich mir das Buch ja ausgeliehen, um mehr über das deutsche Frauenbild in den 50er Jahren zu erfahren. Man muss ja mal wissen, wovon man sich emanzipiert hat. Der Klappentext las sich ziemlich interessant, doch der Inhalt des Buches konnte leider nicht mithalten. Statt fundiert über die damalige Situation zu berichten, lässt die Autorin damalige Experten mit ihren kruden Wertvorstellungen zu Wort kommen. An sich gar keine schlechte Idee. Blöd nur, dass sie dann ständig ihre eigenen Erfahrungen herausposaunt und dabei alles andere als objektiv bleibt. Zudem macht es keinen guten Eindruck, wenn die Verfasserin sagt, dass sie dieses oder jenes selbst nicht so genau versteht. Da fragt man sich doch, warum sie dann darüber ein Buch geschrieben hat. Vollkommen sinnlos.
Böser, böser Feminismus
Ja, ich sehe mich selbst als Feministin. Ich bin keine Emanze (jedenfalls nicht im Sinne des Klischees). Aber eben Feministin. Für mich ist das nichts Verwerfliches, sondern etwas vollkommen Normales. Ich nehme mich selbst als Frau wahr, weiß um meine weichen Seiten, kenne aber auch meine harten. Ich arbeite in sehr guter Harmonie mit Männern, denen ich Tipps geben kann, von denen aber auch ich mir etwas sagen lasse. Und trotzdem. In letzter Zeit wird mir immer wieder bewusst, dass starke Frauen nur dann wohl kein Problem für die meisten Männer sind, wenn sie nicht verbalisieren, dass sie Feministinnen sind. So zumindest bei mir. Später kommt aber noch ein anderes aktuelles Beispiel, das beweist, dass manchmal auch Taten ein Problem sein können. Doch erst einmal zu meiner Erfahrung.
In einem unserer Magazine haben wir immer mal wieder feministische Themen. Derzeit mischen wir immer mal wieder Pornos für Frauen von Frauen unter die Artikelauswahl. So habe ich jetzt auch die „PorYes“ Awards vorgestellt, die im Oktober erstmals in Berlin vergeben werden. Diesen Artikel musste nun ein Kollege für unser europäisches Magazin übersetzen – und hat sich tierisch über die „Feministen-Kacke“ aufgeregt. Als ich dann meinte, dass ich ja auch eine wäre, schaute er mich groß an. Ich sei ja irgendwie anders. Nein, war meine Antwort, bin ich nicht. Doch, meinte er, du magst ja Männer. Na und? Das tun die meisten Feministen. Und ja, ich lese nicht nur die EMMA, ich habe auch einmal für sie geschrieben. Noch einmal: Na und? Jetzt lieber eine Gegenfrage: Warum sagen viele Männer, dass sie keine Probleme mit starken Frauen haben, fühlen sich aber, sobald sie das Wort Feminismus hören, an den Eiern gepackt und in die Ecke gedrängt? Sitzt das Trauma des scheinbaren Machtverlustes etwa noch derart tief?
Und nun das andere Beispiel. Am Wochenende habe ich mit einer guten Bekannten telefoniert, die derzeit zum zweiten Mal schwanger ist. Beim ersten Kind blieb sie brav zu Hause, während ihr Mann arbeitete und die Familie finanzierte. Nun ist es so, dass sie inzwischen wesentlich mehr als er verdient. Auch würde sie dieses Mal nach der Geburt auch so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen, denn nach der letzten Schwangerschaft ist ihr die Decke auf den Kopf gefallen. Diese Frau ist nämlich ein echtes Energiebündel und gehört zu den beneidenswerten weiblichen Wesen, die Kindererziehung ganz nebenbei ganz wunderbar hinbekommen – inklusive Haushalt und allem drum und dran. Ihr Mann liebt diese Stärke, findet ihre Emanzipation ganz toll. Bis vor Kurzem. Jetzt hat sie ihm nämlich vorgeschlagen, dass er doch zu Hause bleiben könne. Er beschwert sich ja eh, dass er kaum Zeit mit der Tochter verbringen würde. Zudem verdient sie ja auch noch mehr. Das Ergebnis: ein heftiger Ehekrach, denn Monsieur fühlt sich jetzt auch an den Eiern gepackt. Schließlich sei er ein Mann, da schmeiße man ja nicht den Haushalt und so. Dass er ab und an Wäsche waschen und putzen würde, sei ja eine freiwillige Aktion, um sie zu unterstützen. Aber Hausmann, nein, das wolle er nicht sein. Als sie dann ein Au Pair vorschlug, kam die schlimme Beschimpfung. Dass sie eine Rabenmutter sei, die keine Zeit mit ihren Kindern verbringen wolle. Au Backe! Sie ist natürlich explodiert ob dieses Schwachsinns. Sie hat eine absolut tolle Beziehung zu ihrer Tochter, die wohl erzogen ist und ihre Mutter über alles liebt. Die Kleine vermisst nichts, obwohl Mama seit zwei Jahren jetzt wieder voll berufstätig ist – Kindergarten und flexible Arbeitszeiten sei dank. Angeblich wäre die Elterzeit nicht gut für seine Karriere. Ah ja. Und was ist mit ihrer? Sie hat es nach gut zwei Jahren ja auch wieder sehr erfolgreich ins Berufsleben geschafft. Außerdem ist seine Firma solchen Modellen durchaus positiv gegenüber eingestellt. Wieso also nicht? Wertet ihn das als Mann ab? Meiner Meinung nach nicht. Im Gegenteil. So etwas zeigt wahre Stärke. Für manchen ist es aber wohl immer noch ein Problem, dass Feminismus und Emanzipation nicht nur theoretische Begriffe auf dem Papier sind. Sobald sie gelebt werden sollen hören die Lobeshymnen auf starke Frauen plötzlich auf. Mh. Derzeit schläft er auf dem Sofa. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich über kurz oder lang durchsetzen wird. Immerhin hat sie die besseren Argumente. Spannende Sache jedenfalls. Bleibt abzuwarten, wie sie sich entwickelt.
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