Jetzt gelesen (6)

30. Juni 2009 at 08:49 (Auf die Augen)

„Splitter“ von Sebastian Fitzek

Gehört einfach in meine offizielle Leseliste, obwohl ich hier ja schon eine ausführliche Besprechung eingestellt habe. Bleibt nur zu hoffen, dass ich das Meed&Read auch wirklich gewinne. Dann sind die Stammleser meines Blogs natürlich herzlich eingeladen!

„Last Lecture“ von Randy Pausch (mit Jeffrey Zaslow)

Im Juli 2008 ist Randy Pausch an seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Die zehn Turmore haben ihn letztlich geschafft. Doch Pausch, der Professor für Computerwissenschaften, hat bis zum Schluss das Leben mit seiner Frau und seinen drei Kindern genossen. Für Furore sorgte er 2007. Denn da hielt er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh seine „Last Lecture“. Eigentlich ist das ja eher eine universitäre Tradition. Es ist nicht wirklich die letzte Vorlesung eines Profs, sondern lediglich die Quintessenz seiner Forschung und seiner Lehre. Für Pausch wurde es wirklich die Last Lecture – und er sprach übers Leben und das Verwirklichen von Kindheitsträumen. Zusammen mit dem Wall-Street-Journalisten Jeffrey Zaslow ist kurze Zeit nach der Vorlesung das passende Buch herausgekommen, in dem Pausch über seine Kindheitsträume spricht. Bis auf einen konnte er übrigens alle verwirklichen – obwohl sie zum Teil wirklich sehr skurril waren. Ein Buch, das Mut macht und einem charmant vor Augen hält, dass das Leben verdammt viel Spaß machen kann, wenn man denn die richtige Einstellung hat.

„Glas“ von Juliane Preisler

Typisch skandinavisch (die Autorin stammt aus Dänemark) geht es hier literarisch zu: Die Sätze sind kurz. Sagen nur das Nötigste. Und dann die Wortwiederholungen. Immer und immer wieder werden Sprachhülsen aneinandergereiht, die die Einsamkeit der namenlosen Protagonisten noch zu verdichten scheinen. Mit diesen Gedankenschlaufen werden die Beobachtungen aus dem kahlen Fenster in den tristen Innenhof des Wohnkomplexes und der sich anbahnende Telefonterror durch einen nachbarlichen Irren noch viel, viel intensiver. Schön, wenn das Lesen solchen Minimalismus derart starke Beklemmungsgefühle auslösen kann!

„Vergiss Paris“ von Sabine Alt

Nur die Rache einer Frau kann stärker sein als ihre Liebe. In diesem Fall müsste es allerdings könnte heißen, denn Carla ist psychisch derart instabil, dass sie die Falsche tötet und letztlich fast selbst draufgeht statt sich an Konrad zu vergehen, der es ganz eindeutig verdient hat, dass ihm eine Frau mal endlich richtig, richtig weh tut. Liebevoll zeichnet Sabine Alt hier gleich mehrer verkorkste Leben, die allesamt auf verschiedene Weise miteinander verbunden sind. Die mittleren Passagen sind ganz eindeutig zu fade geraten, aber die sich zum Ende hin steigernde Psychose samt tragischem Schluss machen das wieder wett. Für einen lauschigen Leseabend, der durchaus auch zum Nachdenken anregen kann, ist dieser Roman ganz hervorragend geeignet.

„Mädchenmörder“ von Thea Dorn

Endlich kann ich mein absolutes Lieblingswort für eine Buchkritik verwenden: Ambivalent. Damit meine ich aber nicht die literarische Qualität, denn die ist von vorne bis hinten absolut hochwertig. Ich meine die tolle, tolle Story um eine junge Frau, die in die Hände eines Serienmörders fällt, aber nicht von ihm getötet, sondern von ihm auf seiner Beutejagd mitgeschleppt wird. Im ersten Teil des Romans schildert das Opfer die erste Hälfte ihrer Tour de Force aus ihrer Sicht für die Öffentlichkeit. Sie beschreibt ihre Qualen und Ängste. Im zweiten Teil allerdings findet man Liebesbriefe an den Killer. Vom Opfer geschrieben. Und schon relativiert sich alles. Plötzlich hat man es mit zwei kranken Seelen zu tun. Nicht umsonst hat Thea Dorn ihrem Psychothriller die Unterzeile „Ein Liebesroman“ hinzugefügt. Ambivalenter (und damit auch spannender und abgründiger) hätte der Plot gar nicht umgesetzt werden können. Eine wahre Lesefreude!

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