Wenn Promis wie die Fliegen sterben
2009 scheint nun wirklich kein gutes Jahr für Promis zu sein. Viele von denen, die ich wirklich mochte, sind in den vergangenen sechs Monaten nämlich gestorben. Heute kam zum Beispiel die Todesnachricht von Pina Bausch. 68 Jahre alt, vor fünf Tagen erfahren, dass sie Krebs hat und nun schon futsch. Sie war die einzige Choreografien, von der ich alle (wirklich alle!!!) Tänze mochte. Endlich wieder eine, die Geschichten erzählt und nicht nur auf die Ästhetik geachtet hat. Endlich wieder eine, die den Tanz mit anderen Kunstformen verband und ihn so aus seiner Isolation befreite. Wuppertal trägt Trauer. Ich auch.
Zeit, an alle zu erinnern, deren Tod ich betrauere:
1. Januar: Johannes Mario Simmel
27. Januar: Christian Enzensberger
27. Januar: John Updike
26. Februar: Ruth Drexel
18. März: Natasha Richardson
29. März: Maurice Jarre
25. April: Beatrice Arthur
4. Mai: Dom DeLuise
14. Mai: Monica Bleibtreu
23. Mai: Barbara Rudnik
3. Juni: David Carradine
11. Juni: Jürgen Gosch
16. Juni: Charlie Mariano
17. Juni: Ralf Dahrendorf
19. Juni: Jörg Hube
25. Juni: Farrah Fawcett
25. Juni: Michael Jackson
30. Juni: Pina Bausch
Mögen sie alle in Frieden ruhen!
Hauptsache britisch
Die meisten von euch müssten inzwischen ja das ein oder andere Mal meinen Faible für alles aus Großbritannien (und das, obwohl ich ja eigentlich viel lieber in Paris leben würde, wenn ich denn könnte!) mitbekommen haben. Das fängt beim schwarzen Humor (und natürlich die Selbstironie à la Stephen Fry!) an, erstreckt sich über die Literatur (Jane Austen, die Brontë-Geschwister, Johnathan Coe, Nick Hornby, P.G. Woodhouse, Charles Dickens – um nur mal einige meiner Vielgeliebten zu nennen!) zur leidenschaftlichen Teetrinkerei (Milch und etwas Zucker in die braune Brühe, bitte!) bis hin zu meinem Faible für britische Schauspieler, die ja früher mit Alan Rickman angefangen hat. Irgendwann kamen dann auch noch Colin Firth, Bill Nighy, Liam Neeson, Gary Oldman, Ralph Fiennes, Gerard Butler, Jeremy Irons und natürlich mein Super-Schnittchen Ciarán Hinds dazu. Nur Hugh Grant nicht. Jetzt hat diese erlesene Riege Zuwachs erhalten. Der Neue heißt Jake Weber und spielt den Papa in der Ami-Serie „Medium“. Guter Schauspieler, bessere Rolle, Optik okay, aber irgendwie wurde mein Interesse immens geweckt. Da es eine Ami-Serie ist, habe ich vorhin nur mittelmäßig interessiert bei imdb nachgeschaut. Und siehe da guck: Der Mann ist Brite! 1964 in London geboren. Inzwischen scheine ich also einen Instinkt entwickelt zu haben. Natürlich ist jetzt klar, dass ich freitags nun immer „Medium“ gucken muss. Die ersten Staffeln gibt es sogar schon auf DVD. Schade, dass mein Geburtstag schon vorbei ist. Während ich hier noch fleißig am Tippen bin, frage ich mich, ob ich diese gequirlte Oberflächenkacke überhaupt posten soll. Aber hey, diese stinkende Hülle gehört eben auch zu mir!
Jetzt gelesen (6)
„Splitter“ von Sebastian Fitzek
Gehört einfach in meine offizielle Leseliste, obwohl ich hier ja schon eine ausführliche Besprechung eingestellt habe. Bleibt nur zu hoffen, dass ich das Meed&Read auch wirklich gewinne. Dann sind die Stammleser meines Blogs natürlich herzlich eingeladen!
„Last Lecture“ von Randy Pausch (mit Jeffrey Zaslow)
Im Juli 2008 ist Randy Pausch an seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Die zehn Turmore haben ihn letztlich geschafft. Doch Pausch, der Professor für Computerwissenschaften, hat bis zum Schluss das Leben mit seiner Frau und seinen drei Kindern genossen. Für Furore sorgte er 2007. Denn da hielt er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh seine „Last Lecture“. Eigentlich ist das ja eher eine universitäre Tradition. Es ist nicht wirklich die letzte Vorlesung eines Profs, sondern lediglich die Quintessenz seiner Forschung und seiner Lehre. Für Pausch wurde es wirklich die Last Lecture – und er sprach übers Leben und das Verwirklichen von Kindheitsträumen. Zusammen mit dem Wall-Street-Journalisten Jeffrey Zaslow ist kurze Zeit nach der Vorlesung das passende Buch herausgekommen, in dem Pausch über seine Kindheitsträume spricht. Bis auf einen konnte er übrigens alle verwirklichen – obwohl sie zum Teil wirklich sehr skurril waren. Ein Buch, das Mut macht und einem charmant vor Augen hält, dass das Leben verdammt viel Spaß machen kann, wenn man denn die richtige Einstellung hat.
„Glas“ von Juliane Preisler
Typisch skandinavisch (die Autorin stammt aus Dänemark) geht es hier literarisch zu: Die Sätze sind kurz. Sagen nur das Nötigste. Und dann die Wortwiederholungen. Immer und immer wieder werden Sprachhülsen aneinandergereiht, die die Einsamkeit der namenlosen Protagonisten noch zu verdichten scheinen. Mit diesen Gedankenschlaufen werden die Beobachtungen aus dem kahlen Fenster in den tristen Innenhof des Wohnkomplexes und der sich anbahnende Telefonterror durch einen nachbarlichen Irren noch viel, viel intensiver. Schön, wenn das Lesen solchen Minimalismus derart starke Beklemmungsgefühle auslösen kann!
„Vergiss Paris“ von Sabine Alt
Nur die Rache einer Frau kann stärker sein als ihre Liebe. In diesem Fall müsste es allerdings könnte heißen, denn Carla ist psychisch derart instabil, dass sie die Falsche tötet und letztlich fast selbst draufgeht statt sich an Konrad zu vergehen, der es ganz eindeutig verdient hat, dass ihm eine Frau mal endlich richtig, richtig weh tut. Liebevoll zeichnet Sabine Alt hier gleich mehrer verkorkste Leben, die allesamt auf verschiedene Weise miteinander verbunden sind. Die mittleren Passagen sind ganz eindeutig zu fade geraten, aber die sich zum Ende hin steigernde Psychose samt tragischem Schluss machen das wieder wett. Für einen lauschigen Leseabend, der durchaus auch zum Nachdenken anregen kann, ist dieser Roman ganz hervorragend geeignet.
„Mädchenmörder“ von Thea Dorn
Endlich kann ich mein absolutes Lieblingswort für eine Buchkritik verwenden: Ambivalent. Damit meine ich aber nicht die literarische Qualität, denn die ist von vorne bis hinten absolut hochwertig. Ich meine die tolle, tolle Story um eine junge Frau, die in die Hände eines Serienmörders fällt, aber nicht von ihm getötet, sondern von ihm auf seiner Beutejagd mitgeschleppt wird. Im ersten Teil des Romans schildert das Opfer die erste Hälfte ihrer Tour de Force aus ihrer Sicht für die Öffentlichkeit. Sie beschreibt ihre Qualen und Ängste. Im zweiten Teil allerdings findet man Liebesbriefe an den Killer. Vom Opfer geschrieben. Und schon relativiert sich alles. Plötzlich hat man es mit zwei kranken Seelen zu tun. Nicht umsonst hat Thea Dorn ihrem Psychothriller die Unterzeile „Ein Liebesroman“ hinzugefügt. Ambivalenter (und damit auch spannender und abgründiger) hätte der Plot gar nicht umgesetzt werden können. Eine wahre Lesefreude!
Feier-Highlights
Von Mittwoch bis Freitag war ich ja nun in meinem Heimatdorf, um den 60. Geburtstag meiner Mutter zu feiern. Da gab es ein paar lustige und ein paar unlustige Situationen, von kuriosen Dialogen ganz zu schweigen, die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.
Nett war zum Beispiel der Nachtwächter im historischen Kostüm, mit dem wir eine abendliche Führung durch Celle machten, und der ganz freigiebig Leckerlis verteilte, wenn man sich nur genug einschleimen konnte. Toll war auch, dass ich um 3 Uhr nachts total besoffen ins Bett gefallen bin, nur, damit mich um 7.30 Uhr am nächsten Morgen das Telefon wecken konnte, das dann übrigens Sturm klingelte. (Das Muttertier war schon zum Festsaal gegangen, um mit den Seniorenturnerinnen und dem Bürgermeister zu frühstücken). Mein Onkel und seine Doro haben sich irgendwann bewusst neben das Telefon gesetzt, weil es so lustig war. Die Dialoge liefen zu 90 Prozent nämlich wie folgt ab:
„Bei D*piep*/Si*piep*, Korzonnek am Apparat.“ (Meine Mum heißt D, weil nochmal geheiratet, ihr Lebensgefährte heißt Si weil wie Mama durch Todesfälle nun wieder allein.)
„Hallo! Wohnt denn die Gisela gar nicht mehr hier?“
„Doch, die wohnt hier noch. Ich bin die Tochter.“
„Ah! Kann ich denn mal die Gisela sprechen?“
„Nein, die ist nämlich schon unterwegs und kommt erst am Abend wieder.“
„Aber dann kann ich ihr ja gar nicht zum Geburtstag gratulieren!“
„Richtig!“
Mein Kommentar löste dann immer Lachsalven aus. Ich brauche wohl nicht extra zu erwähnen, dass sich niemand der Anrufenden mit Namen vorgestellt hat. Auf dem Land erkennt man sich gegenseitig anscheinend an der Stimme.
Noch kurioser war dann allerdings das Gespräch, dass ich mit Heidemarie und Annemarie (kurz Heidi und Anni), den Schwägerinnen meines verstorbenen Stiefvaters, geführt habe. (Heidi und Anni sind übrigens eineiige Zwillinge, die die gleiche Frisur sowie identische Klamotten tragen. Man kann sie lediglich an den verschieden farbigen Lidschatten auseinanderhalten.)
H: „Hallo Nicole“
N: „Hallo Heidi und Anni!“
A: „Wie geht es ihr denn?“
N: *leicht verwirrt* Ihr geht es gut.
H: „Was machst du denn jetzt so?“
N: *blablabla* (Lohnt sich nicht zu schreiben, ihr wisst ja alle, was ich mache.)
A: „Ist sie denn alleine hier?“
N: „Ja, ist sie.“
A: „Hat sie denn gar keinen Freund?“
N: „Sie definiert sich nicht über Beziehungen.“
Merke: Heidi ist normal und Anni hat einen Vollschaden! Die hat mich tatsächlich konsequent den ganzen Tag in der dritten Person angesprochen! Da habe ich mich richtig normal gefühlt!
Jetzt aber mal zu meinem absoluten Highlight. Leider hat die nun folgende Unverschämtheit anfangs ziemlich weh getan, aber dank meiner Familie kann ich nun darüber lachen. Die Situation: Kurz vorm Kaffee sang der Shanty-Chor als drei ehemalige Kolleginnen meiner Mutter am Fenster zu sehen waren. Meine Mutter schickte mich raus, um sie reinzuholen (der Eingang war recht versteckt) und davon abzuhalten, sofort zu ihren Plätzen zu stürmen solange der Chor noch sang. Ich hatte die drei Weiber ungefähr acht Jahre lang nicht gesehen, was aber folgende zwei Sätze noch lange nicht rechtfertigt:
Zicke 1: „Mensch Nicole, du bist aber dick geworden!“ (statt hallo)
Zicke 2: „Ach, die war früher noch viel dicker!“ (auch statt hallo)
Zicke Nummer 3 hat mich generell ignoriert.
Ich war so baff, dass ich echt nichts sagen konnte. Die Zicken stürmten rein, rannten den Chor fast um und belagerten lauthals meine Mutter (die haben sich einfach so an unseren Tisch gesetzt). Ich habe dann nur meine Zigaretten geholt, etwas von „Zum Kaffee sitze ich hier nicht“ gemurmelt und bin raus um die Ecke zum Heulen gegangen. Das war nämlich wirklich verletzend! (Hallo, ich weiß, dass ich Übergewicht habe. Aber 14 Kilo sind schon runter. Noch acht und ich habe Normalgewicht. Für mich ist das schon ne Leistung. Und zu schnell will ich nicht ausdünnen, denn schließlich soll sich die Haut vernünftig zurückbilden können. Labbertaschen will ich an meinem Körper nicht. Am liebsten hätte ich mir einen Finger in den Hals gesteckt in dem Moment.) Zum Glück kamen Doro und zwei weitere Tanten sofort hinterher. Als die die Zickenworte erzählt bekamen, haben sie mich erst einmal fachgerecht psychisch wieder aufgerichtet, und sind im Saal dann ebenso fachgerecht über die Zicken verbal hergefallen. (Auftritt Doro: „Hey, kann ich mal ein Foto von euch dreien machen?“ *knips* *dann durch den ganzen raum brüllend* „Nicole! Schau doch mal! Ich habe hier ein Foto von gleich drei verbitterten, vertrockneten, unglücklichen und verbalinkontinenten Zicken auf einmal!“) Brüller! Ich habe meine Familie ja sooooo lieb!
Den Vogel hat dann aber letztlich Uwe, der Lebensgefährte meine Mama, abgeschossen. Dafür muss ich die räumlichen Distanzen erklären: Unsere Wohnung lag drei Gehminuten vom Festsaal entfernt. Gegenüber des Saales ist die Dorfpolizei. Unser Auto wiederum parkte 30 Meter entfernt bei der Sparkasse. Wir waren alle derart sturzbesoffen, dass wir zu Fuß nach Hause wollten. Doch zuerst musste Uwe den Schlüssel vom Saal aus dem Auto holen. Niemand hat mitbekommen, dass er die 30 Meter dann zum Saal gefahren ist. Und er hat nicht mitbekommen, dass er keinen Busch (wie von ihm vermutet), sondern einen Zaun angefahren hat. Das wurde alles erst aufgeklärt, als die Sheriffs an unserer Tür klingelten. Uwe also ab zum Bluttest, Mutter ab ins Schlafzimmer zum Heulkrampf, Tochter hinterher ins Schlafzimmer zum Trösten, Onkel und Doro ab ins Wohnzimmer zum Weitersaufen. Letztlich hatte der Herr 1,3 Promille im Blut und demzufolge in nächster Zeit keinen Führerschein mehr in der Tasche. Auf Strafanzeige wurde verzichtet – Dorfgemeinschaft und so. Nach noch mehr Tränen (war aber auch ein echt mieses Timing, immerhin wurde ein ansonsten perfekter Tag für das Muttertier so richtig versaut zum Schluss), haben sich die beiden bis zum nächsten Morgen wieder versöhnt. Und ab 9 Uhr riefen schon die ersten Dorfbewohner an, um Uwe zu kondolieren. Den Spott der nächsten Wochen muss er jetzt aushalten.
Und ich? Ich bin Freitagmittag wieder nach Delme gefahren. Zum Ausnüchtern. Samstag und Sonntag war ich dann aber doch wieder besoffen. Mein Onkel hat nämlich endlich seine Wette eingelöst. Und so hatte ich plötzlich eine Magnumflasche Champagner (70 Tacken wert), die ich, dekadent wie ich nun einmal bin, an den beiden vergangenen freien Tagen ganz alleine geleert habe.
Kein Wunder also, dass Arbeiten heute eher maue Gefühle bei mir auslöst!
R.I.P. King of Pop
Michael Jackson ist tot. Damit sage ich euch jetzt nichts Neues. Vergangenen Freitag war ja kaum etwas anderes zu sehen und zu hören. War aber nicht genau das phänomenal? Ich muss leider gestehen, dass ich die Berichterstattungen am Freitag erst am späten Nachmittag verfolgt habe. Vorher saß ich im Zug. Was dann aber zu sehen war, war wirklich erstaunlich.
Jede, wirklich jede Nachrichtensendung begann mit dem Tod des King of Pop. Selbst die Tagesschau. Das zeigt ganz deutlich den Stellenwert des Künstlers. Natürlich gab es dann auch noch Sondersendungen, die sehr unterschiedlich gefärbt waren. Hier mal mein Fazit von ganz schlecht bis supergut.
Mies war die ARD. Bevor sie einen Konzertmitschnitt gezeigt haben (war wohl die „Dangerous“-Tour), kam ein Porträt, das die Lebenstragödie des Michael Jackson nachgezeichnet hat. Wahrscheinlich wollte sich die ARD besonders objektiv geben – und ist damit meilenweit am Ziel vorbei. In einem Nachruf sagt man einfach nicht, dass der Mann „Genie und Monster“ war. Man kann zu den Pädophilie-Vorwürfen denken, was man will, aber bei der ARD kam es so rüber, als wenn es eine Tatsache wäre. Hallo! Jacko wurde 2003 in allen Punkten freigesprochen! Und der Vergleich in den 90ern ist auch kein Beweis seiner Schuld, sondern ein Indiz dafür, dass sich das Erste wohl nicht so ganz mit dem amerikanischen Rechtssystem auskennt. Ein Prozess – selbst mit Freispruch – wäre nämlich noch viel, viel schlimmer fürs Image gewesen. Aber egal, dazu darf jeder seine eigene Meinung haben. In einem Nachruf darauf herumzureiten ist allerdings pietätlos, denn es stellt die musikalische Leistung in den Schatten. Und die kann man nicht anzweifeln. Da macht auch das ausgestrahlte Konzert die Negativwertung nicht wett. Etwas zu reißerisch war die Sondersendung auf RTL. Mit Live-Schaltung zum Gebäude der Rechtsmedizin und so. Aber das Leben und Wirken von Michael Jackson wurde recht gut zusammengefasst. Schlimm war allerdings, dass sie in der letzten Minute unbedingt den Notruf einspielen mussten, der von der Villa abgesetzt wurde. Zum einen kann man so etwas wunderbar fälschen, zum anderen hat das absolut keinen Informationsgehalt, sondern war einfach nur exhibitionistisch. Auf Sat1 lief keine Sondersendung, aber das Boulevardmagazin im Vorabendprogramm hatte kein anderes Thema. Hier wurden die verschiedenen Lebensabschnitte und Themen in einzelne Beiträge gefasst. Schön geordnet kam da ein guter Überblick heraus. Noch besser war allerdings das ZDF mit der „Leute-heute“-Sondersendung. Da kamen einfach noch ein paar mehr O-Töne dazu. Abgesehen davon ist das Zweite per se seriöser. Klingt blöd, ist aber so. Am besten hat 3sat die Situation gemeistert. Nachdem man mit den Todesumständen schon auf allen anderen Sendern eingelullt wurde, haben die spät am Abend einfach nur seine Musikvideos gespielt. Und die haben mehr als alles andere seine Leistung gezeigt. Er war ein musikalisches Genie, das enorm viel für den Pop getan hat. Er war der Wegbereiter für so manch einen Musikstil.
Und ich? Was denke ich? Ich bin froh, dass sein psychischer Kampf jetzt endlich zu Ende ist. Ich werde seine Autobiografie aus den 80er Jahren, die in meinem Bücherregal steht, stets in Ehren halten. Ebenso wie seine Musik. Ja, ich hatte Tränen in den Augen, denn Jacko hat mir in den letzten Jahren immer so Leid getan. Es muss schrecklich sein, seinen vergangenen Erfolgen ständig hinterherlaufen zu müssen. Er war in seiner Vergangenheit gefangen. Und das beinhaltete eben nicht nur den Weltruhm, sondern auch die psychische Vergewaltigung durch den Vater. Diese Erinnerung wieder und wieder zu erleben muss die Hölle gewesen sein. Hoffentlich hat der King of Pop jetzt tatsächlich seinen Frieden gefunden. Diese gequälte Seele hat es verdient!
Lied der Woche (4) & URLAUB
Für den Rest der Woche bin ich dann mal weg. Mama wird 60. Hinfahren, mitfeiern, zurückfahren, Wochenende genießen.
Montag melde ich mich an dieser Stelle zurück. Derweil viel Spaß mit Madonna.
Leseliste live
Einige von euch erinnern sich vielleicht noch daran, dass ich für mein Leben gerne Listen führe. Eine ist natürlich ganz vorne mit dabei: meine Bücherliste. Die führe ich jetzt schon seit dem 1. Januar 1999. Schön durchnummeriert schreibe ich mir Titel und Autor, Datum der Lektürebeendigung und Genre auf. Heute Morgen war ich derart müde (Vielen Dank für die verkürzte Nacht, Herr Fitzek! Ohne Zweifel Ihre Schuld, immerhin konnte ich „Splitter“ ja nicht zur Seite legen.), dass ich kein neues Buch zum ersten Kaffee des Tages anfangen wollte. Also habe ich mir einfach mal meine Bücherliste (zwei Notizblöcke) genommen und die Jahre zusammengerechnet.
Demnach habe ich seit dem 1. Januar 1999 bis heute genau *trommelwirbel* 1468 Bücher gelesen. *tusch*
Eigentlich gar nicht mal so schlecht. Trotzdem werde ich wohl nie im Leben all das lesen können, was ich noch alles lesen will. Und dann diese ganzen Neuveröffentlichungen, die auch nicht unbeachtet sein wollen. Wirklich schrecklich das! Selbst wenn ich mit Lesen mein Geld verdienen könnte, würde das nicht hinhauen. Wahre Tragik!
Wer sich für Details interessiert: 2003 hatte ich an der Uni viel zu tun. Deswegen war es mit nur 61 Büchern mein leseschwächstes Jahr. Lesestärktes war hingegen 2005. Da war ich in den lockeren Endzügen meines Studiums und kam auf 231 Werke. 2009 habe ich bis jetzt genau 95 geschafft. Mal schauen, wie viele es dieses Jahr noch werden…
„Splitter“ von Sebastian Fitzek
Mal ehrlich: Wenn ihr am Tod eurer schwangeren Frau Schuld wärt, dann würdet ihr dieses Ereignis doch bestimmt auch gerne vergessen wollen, oder? Marc Lucas will es jedenfalls. Als ihm von einer etwas dubiosen Klinik angeboten wird, eine Amnesie herbeizuführen, lässt sich Marc erst einmal untersuchen, während er sich überlegt, ob er an dem Experiment auch wirklich teilnehmen möchte. Doch als er dann nach Hause geht, setzt sich ein erschreckender Alptraum in Gang, der leider auch noch ziemlich real ist …
Mehr wird an dieser Stelle zum Plot nicht verraten, denn die geschickte Mischung aus Horror, Wahnvorstellungen und akuter Psychose ist einfach so genial, dass man da als Leser unwissend durch muss, um alle Abartigkeiten auch richtig genießen zu können. Zwar sind die Charaktere dem lieben Herrn Fitzek erneut etwas zu oberflächlich geraten, aber bei der rasanten Story fällt das nicht weiter ins Gewicht. Außerdem habe ich mich sehr gefreut, einem alten Bekannten aus dem „Seelenbrecher“ wieder zu begegnen, was für sich genommen ein herrliches Gimmick ist.
Doch kommen wir jetzt mal zu den negativen Aspekten des Psychothrillers (ja, auch dieses Buch hat leider seine Schachstellen). Da wäre zum einen die etwas ausgelutschte Grundidee, dass so gut wie jeder verdächtig ist. Wer ist gut? Wer ist böse? Dieser ständige Hell-Dunkel-Kampf ist etwas ermüdend, zumal die Handlung dadurch nicht immer vorangetrieben wird. Apropos Handlung… Monsieur Fitzek benötigt eindeutig zu viele Seiten, um die Spannung komplett aufzubauen. Eigentlich schade das, denn er kann auch ganz eindeutig anders (siehe „Der Seelenbrecher“, wo man schon von der ersten Seite an einen Adrenalinschub nach dem nächsten hat). Außerdem kommt einem eh ständig der Film „The Game“ mit Michael Douglas in den Sinn, da wäre es echt nicht nötig gewesen, weiter hinten noch stärkere Parallelen zu ziehen, zumal das für die Story nur bedingt relevant ist. Was mich besonders gestört hat: Bei der entscheidenden Wende in der Geschichte macht Mister Fitzek nicht gleich klar, worauf es komplett hinauslaufen soll. Kurzsichtig wie ich nun einmal bin, dachte ich, dass es nur einen Nutznießer gibt. Und das wäre medizinisch einfach falsch. Ein paar Seiten später wird alles aufgeklärt, aber dennoch musste ich mich ob dieser Ungenauigkeit eben diese paar Seiten hindurch ärgern. Das hat mir den Schluss doch etwas versaut. (Sorry, dass ich mich hier so kryptisch ausgedrückt habe, aber ich will ja nicht petzen, wie die ganze Chose nun ausgeht.)
Wie auch beim „Kind“ und „Seelenbrecher“ hapert es mal wieder am Ende der Geschichte. Während bei den ersten beiden genannten Psychothrillern die Geschichte zum Schluss hin eher zerfranst (Anmerkung an Sebastian Fitzek: Sie hätten mich beim „Seelenbrecher“ nach dem Post-It ruhig an einem Herzinfarkt krepieren lassen können. Die nachträgliche Logik-Kur inklusive Wir-beruhigen-uns-jetzt-alle-mal-Therapie hätte ich zumindest nicht mehr gebraucht.), wird in „Splitter“ die Story durchaus gut abgerundet. Das Problem ist nur, dass das Ende ein Nachspiel hat, dem dann noch Zeitungsartikel folgen, wobei dann auch noch ein Epilog kommt. Das erinnert ein wenig an Beethoven, der wollte seine Sinfonien auch nie beenden. Beethoven hat aber immerhin mit den Paukenschlägen aufgehört, bevor er seinen Hörern zu sehr auf die Nerven gehen konnte. Bei Sebastian Fitzek hingegen ist es genau ein Paukenschlag zu viel: Der Epilog. Denn der trägt nun wirklich nichts mehr zur eigentlichen Handlung bei.
Vielleicht bin ich da jetzt aber auch etwas zu ungnädig, denn immerhin war ich, als ich das Buch zu Ende gelesen habe, bereits vollkommen übermüdet (1.00 Uhr nachts, Hintergedanke: Scheiße, nur noch fünf Stunden Schlaf). Aber genau das ist dann auch das ganz große Lob an „Splitter“. Ich konnte es nämlich absolut nicht aus der Hand legen. Von vorne bis hinten in einem Rutsch durchgelesen. Musste einfach sein. Ich hätte eh nicht vorher einschlafen können. Und genau daran erkennt man doch, dass der Psychothriller trotz einiger Schwächen extrem gut gelungen ist, oder?
Fazit: Wer mal wieder etwas Nervenkitzel braucht, der sollte sich „Splitter“ kaufen und an einem freien Tag durchlesen.
(P.S.: Liebe Blog-Leser, falls ihr euch fragt, warum ich hier so eine ausführliche Rezension geschrieben habe, bitte nicht wundern. Sebastian Fitzek hat bis Ende Juni einen kleinen Wettbewerb laufen. Die Aufgabe: bis zum 30. eine Rezension zu „Splitter“ ins Netz stellen. Egal wo. Und man darf sogar meckern und motzen. Der Gewinn: Eine private Lesung des Autors im eigenen Wohnzimmer. Und da ich es einfach zu gerne sehen würde, wie Signore Fitzek in meiner Sardinenbüchse auf meinem Klappersofa sitzt, mache ich da jetzt einfach mal mit. Und an Sebastian Fitzek (der will sich nämlich tatsächlich alle Rezensionen durchlesen): Hey, ich fand das Buch wirklich spannend! Aber ein paar Kritikpunkte sind doch bestimmt gestattet – vor allem, wenn sie vom Herzen kommen, oder? Bleibt nur zu hoffen, dass Sie jetzt zu mir nach Delmenhorst kommen – ich lade auch extra viele Serienmörder für Sie ein. Versprochen!)
Webbers Phantom-Fluch
Neulich habe ich mir mal das Geburtstagskonzert zum 60. von Andrew Lloyd Webber in der Royal Albert Hall angeschaut. Das war 1998. Neben einigen echt ätzenden Performances (Sarah Brightman und Michael Ball) und einigen absoluten Glanzleistungen (Elaine Paige und Glenn Close), war aber vor allem das Ende recht interessant. Da ließ Webber nämlich durch Kiri Te Kanawa einen Song singen, den der Musical-Titan für seine Fortsetzung des „Phantom der Oper“ komponiert hatte. 1998!!! Das war vor elf Jahren!
Wem das jetzt zu viel Insiderwissen ist: Webber arbeitet jetzt schon seit über elf Jahren an dieser Fortsetzung. Anfang des Jahres gab es die ersten Previews des ersten Aktes. Angeblich sollte das komplette Musical dann Ende des Jahres in die Theater kommen, doch dieser Termin wurde verschoben. Warum genau, ist ebenso undurchsichtig wie die komplette Story des zweiten Phantom-Musicals, das übrigens auf dem Roman „Das Phantom von Manhattan“ von Frederick Forsythe aufbaut. Hier nur ein paar Beispiele aus dem inhaltlichen Gruselkabinett: Raoul ist Alkoholiker, das Phantom hat jede Nacht Sex mit einer Christine-Puppe und Christines Sohn wird mit einer Maske geboren, damit die Vaterschaft auch gleich klar ist. *würg* Doch diese ganzen Abarten habe ich ja bereits auf meinem alten Blog vor einiger Zeit ausgiebig erläutert.
Jetzt geht es mir um die Musik.
Keine Ahnung, ob der Song, der vor elf Jahren in der Royal Albert Hall präsentiert wurde, noch im Musical enthalten ist. Wenn ja, dann hat Webber ein großes Problem. Das Lied an sich ist zwar recht hübsch, ist zugleich aber auch ein kompletter Bruch mit dem ersten Phantom-Musical. Komplett andere Musikrichtung und so. Ganz andere Atmosphäre. Völlig neue Stimmung. Romantik-Kitsch statt Romantik-Rock
Gut, Webber ist in den letzten Jahren per se immer kitschiger geworden, aber das ist echt der Gipfel. Zudem quält sich der arme Mann jetzt schon viel zu lange mit dem Thema. Kann er denn nicht endlich einsehen, dass eine Fortsetzung – so gerne Fans sie auch sehen würden – niemals an den damaligen Erfolg anknüpfen könnte? Manchmal habe ich das Gefühl, dass das, was für Mozart sein Requiem war, das Phantom für Webber werden könnte. Echt bitter das.
Ich bin derweil am Überlegen, ob ich nicht auch endlich mein Phantom-Sakrileg in die Tat umsetzen und endlich meinen verqueren Roman zum Thema verzapfen sollte. Abwarten und Phantom hören.
Kannst du auch Kanzler?
Als ich am Freitag so die Feuilletons durchblätterte, beherrschte in der Sparte Medien eine Sendung das gedruckte Geschehen: „Ich kann Kanzler“, welches abends auf dem ZDF ausgestrahlt werden sollte. Las sich alles nicht wirklich überzeugend. Casting-Wahn jetzt auch auf dem ZDF? Ein eingekauftes Format, in dem auch noch ausgerechnet eine längst überholte Komödiantin in der Jury saß? Nein danke.
Da ich vor „Medium“ aber nichts weiter zu gucken hatte, habe ich dann doch mal kurz reingeschaltet. Um es vorweg zu nehmen: „Medium“ habe ich vergangenen Freitag nicht geschaut. Ich bin beim ZDF hängen geblieben. Gut, die Engelke war so bescheuert wie erwartet, aber der Rest war erstaunlich gut. Da war zum Beispiel der etwas vertrottelte Moderator, der charmant einen Fehler nach dem nächsten machte, aber trotzdem noch irgendwie eloquent rüberkam. Bremens Ex-Bürgermeister gab sich als Mann aus dem Volk und Jauch brachte den Satz des Tages für mich: „Ja, ja, die große Koalition. Die feiern sich da alle gegenseitig und pünktlich sechs Monate vor der Wahl dreschen die dann aufeinander ein.“
Es kamen dann aber noch richtig kluge Sätze. Nicht so knapp sogar. Und zwar von den Kandidaten. Mein Favorit Jacob wurde dann auch gewählt. Ich scheine also einen recht allgemeingültigen Politikgeschmack zu haben. Anfangs wollte ich den Jacob aus Prinzip eigentlich nicht gut finden, da er ja in der CDU ist, aber letztlich hat mich sein Wahlprogramm überzeugt. Und wenn man mal ehrlich ist, dann können Parteilose in unserem Land nicht wirklich etwas wuppen. Den Philipp fand ich auch nicht schlecht, obwohl der in der SPD ist (sorry, aber bei mir schneidet eigentlich immer nur eine Partei gut ab – man muss sich ja für was entscheiden). Der hatte zum Ende hin aber eher so Prollargumente und untermauerte die nicht richtig. Dann also doch mal lieber den Jacob wählen.
Schön zu sehen, dass sich junge Leute für Politik interessieren – und sich da auch wirklich auskennen. Schön, dass einige tatsächlich noch das Land retten wollen. Schön, dass einige an das Gute im Menschen glauben – und es vielleicht sogar reaktivieren können. Jacob hat mich jedenfalls begeistert. 18 Jahre alt, 16 freiwillige Ämter, viel Mut, der eigenen Partei zu widersprechen und ein unheimlicher Sympath, der sich klar und deutlich artikulieren kann. Dazu die klare Botschaft „Machen statt motzen“, was von ihm dann auch gleich vorgelebt wird, aktiv wie er ist.
Mit „Ich kann Kanzler“ hat das ZDF wirklich ein gutes Format eingekauft. Ich freue mich bereits jetzt auf die Sendung im nächsten Jahr. Aber hatte das alles jetzt auch einen Bildungseffekt? Bei mir auf jeden Fall. Sobald auch die CDU/CSU endlich mal ihr Wahlprogramm festgelegt haben, werde ich noch drei Wochen warten (dann dürften alle Flyer gedruckt sein) und mich am Wochenende mal an den Infoständen der Parteien tummeln. Eigentlich weiß ich jetzt schon, wie das Ergebnis ausfallen wird, aber man soll ja für alles offen sein. Denn eines ist klar: Ich kann auf keinen Fall Kanzler, aber ich kann ganz bestimmt wählen.
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