Der Esel und die Karotte
Es wäre ja auch zu schön gewesen: Da haben Cheffe und ich unisono zwei Bewerber herausgepickt. Einen Mann. Eine Frau. Beide gut. Der Mann war die erste Wahl. Der hat jetzt aber abgesagt. Also dann die Frau. Doch auch hier kam eine Absage. Leider haben wir ansonsten aber keine Alternative, denn die restlichen Bewerber konnte man in die Tonne kloppen.
Zum Glück sind in der Zwischenzeit wieder ein paar Mappen eingetroffen. Während ich das hier gerade schreibe, lädt unsere neue Sekretärin all die unschuldigen Aspiranten zu einem Vorstellungsgespräch ein. Deswegen klingelt hier auch ständig das Telefon. Die fragen nämlich alle nach. Finde ich gut. Lieber zu viele Infos (Aufgaben, Vergütung, Dauer, Übernahmechancen) als zu wenige. Hoffentlich ist da dann etwas Brauchbares dabei. Nächsten Donnerstag weiß ich dann mehr. Da kommen die alle dann zwischen 12.00 und 14.00 Uhr. Hauptsache, mir wird nicht wieder Talent vor die Nase gehalten und dann wieder weggenommen. Langsam habe ich es satt als Esel einer Karotte hinterher zu hecheln.
Herr, lass Volontäre vom Himmel regnen! Langsam aber sicher kann ich nämlich nicht mehr für zwei arbeiten!
Lied der Woche
Also irgendwie kann man bei WordPress keine Videos direkt einfügen. Deswegen spiele ich jetzt einfach mal ein wenig rum.
Was auch immer gleich geschieht: Das Lied der Woche ist „Ayo Technology“ von Milow.
Luft raus
Immer, wenn ich mit einer besonders anstrengenden Ausgabe fertig bin (und die vergangene war sozusagen extra-hart), dann hechel ich wie von der Tarantel gestochen in einen selbstgebuddelten Abgrund.
Ich kann dann nämlich nicht abschalten. Luft holen auch nicht. Als ob ich immer (und vor allem ewig) weiterrennen müsste.
Schlimm das.
Jetzt bin ich natürlich derart fertig, dass ich mal kurz anhalten m u s s ! Beim Bremsen ist mir aufgefallen, dass ich in den letzten acht Wochen durchgesprintet bin. Kein Wunder, dass da kein Funken Energie mehr in mir drin ist.
Hat jemand mal eine Luftpumpe für mich? Oder bläst mich gar wer manuell auf?
Entmenschlichung à la Boulevard
Gestern war es in fast jeder Presse zu lesen: In China hat ein Mann einen potenziellen Selbstmörder, der seit Stunden auf einer Brücke verharrte, von eben jener heruntergeschubst. Als Grund führte der Schubser den Egoismus des Springers an, denn immerhin hätte jener für eine beträchtlich lange Zeit den Verkehr auf der Brücke ob seiner Selbstmordabsichten zum Stehen gebracht. So etwas mache man nicht. Und immerhin war das ja nun auch bereits der zwölfte Springer seit Anfang April. Da können die Nerven ja schon einmal mit einem durchgehen.
Ah ja.
Das Unmenschliche der Tat wurde nirgends wirklich erwähnt. Da wurde lieber die Kamera raufgehalten, um zu filmen, wie geschubst, geraunt und gefallen wird. Gut, der Selbstmörder lebt (wie die anderen elf übrigens auch, denn von denen ist letztlich niemand gehoppst), da ein Luftkissen schon zur Hälfte aufgeblasen war (mehrere Brüche gab es dann dennoch), aber den Vorgang analysiert hat bis jetzt noch niemand. Alle Fernsehsender strahlten lediglich die Bilder aus.
Da war nix zu hören, warum der Schubser derart ausgerastet ist, dass er einem anderen das Leben nehmen wollte – und das wegen eines Staus. Da wurde auch nix gesagt, wie der Mann an den Springer überhaupt rankommen konnte, denn immerhin waren ja Rettungskräfte anwesend. Und da wurde auch nix gesagt, warum sich ein Mann mit „nur“ 12.000 Euro (umgerechnet) umbringen wollte, immerhin sind das in unseren westlichen Hemisphären ja nur Peanuts.
Also lieber stur alles abfilmen und als fernöstliche Freakshow über den Äther jagen. Man hat ja sonst nicht so viel an Exhibitionismus, den man den gaffenden Glotzern vor die verdummenden Augen werfen könnte. Aber wisst ihr, was das Schlimmste ist? Ich mache da auch mit! In einem Kundenmagazin haben wir die Kategorie „Bits & Pieces“ wo jeden Monat sechs technische Neuerungen sowie gesellschaftliche Kuriositäten versammelt werden. Und jetzt ratet mal, was da im nächsten Monat drin stehen wird… Manchmal könnte ich mich für meinen Job echt schämen. Noch mehr schäme ich mich allerdings, dass mir das inzwischen eigentlich gar nichts mehr ausmacht.
Ich glaube, mein Gesicht verschiebt sich grade.
1. Bewerbungsrunde
„Die Letzten werden die Ersten sein.“ Oder auch gerne genommen: „Das Beste kommt zum Schluss.“ Zum Glück gelten solche Verbalqualen nicht für unsere Firma. Der erste Kandidat heute war nämlich eigentlich schon ein Volltreffer. Absolutes Gesamtpaket, um es sprachlich zu variieren.
Pro forma schauen sich Cheffe und ich natürlich auch noch alle anderen Aspiranten an. Eine konnte richtig gut schreiben, war aber selbst für die Lokalredaktion viel zu schüchtern. Eigentlich schade das. Aber was soll’s ich will ja eh lieber einen Kerl hier sitzen haben.
Die restlichen Bewerber kommen dann am Mittwoch. Und jetzt kommt mein Verbalauswurf des Tages: „Abwarten und Tee trinken.“ Ich habe fertig.
Jetzt gelesen
„Tiburn“ von Iain Levison
Amerika als Land der dunklen Machenschaften: Ein Uni-Dozent, der die minderjährige Nachbarstochter verführt, ein flüchtiger Bankräuber, der sich mit Waffengewalt beim Uni-Dozenten einnistet und eine FBI-Agentin, die den Fall zwar zu spät aufklärt, sich mit dem Ergebnis letztlich aber durch erpresste Referenzen vom Uni-Dozenten eine bessere Zukunft sichert. Verlierer auf voller Länge, obwohl er am Anfang der Geschichte der totale Überflieger war: genau – der Uni-Dozent. So blöde kann das Leben eben manchmal spielen. Vor allem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein herrlich sarkastischer Thriller, der mit bitterbösem Humor auf die Vereinigten Staaten herablächelt. Herrlich!
„Unser allerbestes Jahr“ von David Gilmour
Sieht man von der grottenschlechten Übersetzung ab (der Titel ist zum Beispiel irritierend, denn es werden drei Jahre erzählt), ist das ein beeindruckender Roman über einen die Schule verweigernden Sohn, der von seinem Vater drei Filme wöchentlich gezeigt bekommt, die ihn auf das wahre Leben vorbereiten sollen… Sehr intime Selbstreflexionen machen diesen Roman zu einem großen Wurf der kanadischen Gegenwartsliteratur. Meine ausführliche Rezension findet man wie immer auf www.suite101.de.
„Empörung“ von Philip Roth
Wenn Tote reflektieren: Amerika zur Zeit des Korea Krieges. Der jüdische Jüngling Marcus Messner entkommt der Übervorsorge seines koscheren Metzger-Papas indem er auf ein weit entferntes College flüchtet. Der vorbildliche Junge durchlebt dort einen Blow Job, einen Blindarmdurchbruch und eine kleine Mogelei mit weitreichenden Konsequenzen. Dabei hatte er sich für sein Leben doch eigentlich etwas anderes erhofft… Die präzise, nüchterne und doch hoch poetische Sprache von Roth bestätigt auch in diesem Roman, warum er der unangefochtene Star der amerikanischen Gegenwartsliteratur ist.
„Imperator 3 – Das Feld der Schwerter“ von Conn Iggulden
Hier also endlich der dritte Teil der Tetralogie. Jetzt ist Cäsars Zeit in Spanien und Gallien dran, inklusive Konkurrenzkampf und Streitereien mit Pompeius, die Julius letztlich dazu bewegen, mit seiner Zehnten den Rubikon zu überschreiten… Wie schon in den ersten beiden Bänden besticht Iggulden hier mit seiner lebhaften Aufbereitung der römischen Geschichte, die zum Teil witzig, zum Teil atemberaubend spannend wiedergegeben wird. Doch das wird alles durch die beeindruckend faszinierende Charakterbeschreibung des Julius Cäsar noch getoppt!
Musik, die die Welt nicht braucht
Mal ehrlich: wenn die Songs von Yan Zi im deutschen Radio rauf und runter laufen würden, dann hätte ich eine Begründung mehr, warum ich das Radiohören so hasse. Man wird schon in Kaufhäusern, Fahrstühlen und sogar beim Zahnarzt mit dieser Gute-Laune-Sorglos-Musik derart eingelullt, dass man sie freiwillig nun wirklich nicht mehr hören muss. Deshalb bleibt bei mir das Radio aus und mein Verschleiß an CDs ist dafür enorm. Nun gut, Yan Zi läuft nicht im deutschen Radio. Bei mir lief sie im CD-Player, aber ich kann zu meiner Entschuldigung anführen, dass ich sie nicht privat gehört habe. Ich habe ja wirklich versucht „The Moment“ professionell zu analysieren, aber das ging nicht. Es ging nicht, weil ich Akustikgitarren nur im klassischen Konzertsaal, am Lagerfeuer mit einer Jugendgruppe oder, wenn es denn sein muss, meinetwegen in den Händen von Liedermachern à la Reinhard Mey akzeptieren kann. Es ging nicht, weil ich durch meine Mutter Panflöten-geschädigt bin und sofort das kalte Gruseln bekomme, wenn ich auch nur einen hauchigen Flötenton höre. Okay, ich könnte jetzt diese absolut seichte Instrumentierung als Ausrutscher betrachten, denn es gibt ja viele Sänger, die zwar gute Musik machen und nur nicht über den nötigen Musikgeschmack verfügen. Aber ist das hier ein Ausrutscher?
Nun, ohne weitere Platten von Yan Zi zu kennen, oder kennen lernen zu wollen, behaupte ich an dieser Stelle ganz einfach mal NEIN! Die Instrumentierung passt nämlich ganz hervorragend zu den platten Melodien und dem netten Stimmchen. Bereits nach einer Minute angestrengten Zuhörens drängten sich meinem Schädel Vergleiche wie „In Deutschland heißt sie Yvonne Catterfeld, in Italien Eros Ramazotti“ auf. Abgelöst wurden diese Assoziationen dann allerdings von einer tiefen Dankbarkeit, weil man wenigstens die Texte nicht verstehen konnte und somit von wahrscheinlich noch mehr Plattitüden verschont blieb. Aus purer Langeweile beim Hören, versuchte ich nebenbei die Stimme von Yan Zi einzuordnen, denn ihr Gesangsstil kam mir irgendwie bekannt vor. Überlegungen wie „Ist sie eine asiatische Enya? Nein, nein, das ist die Musik und nicht die Stimme.“ rollten durch mein Hirn. Dann kam mir ein Gedanke: „Sie ist eine verhinderte Björk!“ Dabei blieb ich letztlich auch, denn die zum Teil lang gezogenen, angeschliffenen und gequetschten Töne erinnerten mich wirklich an Björk, nur mit dem Unterschied, dass ich das bei Björk mag und bei Yan Zi nicht.
Nachdem ich mit diesen Überlegungen fertig war, wurde mir schon wieder langweilig und ich beschloss, dass man ja nun nicht unbedingt jedes Lied ganz hören muss. Also zappte ich mich fleißig durch die Tracks und pulte anschließend die CD erleichtert aus dem Player. Eine gewisse Ratlosigkeit überfiel mich an dieser Stelle, denn was sollte ich mit diesem voll von Banalitäten gefülltem Medium nun anstellen? – Was ich letztlich damit tat? Nun, man soll in seinem Leben ja immer konsequent sein. Also gab ich mir die volle Dröhnung Marilyn Manson zum akuten Frustabbau und entsorgte währenddessen die CD samt hinterlassener Zuckerwatte in meinem Hirn im Papierkorb. Fahrstuhlmusik gehört ja schließlich in den Fahrstuhl und nicht in meine Musiksammlung.
Hello again!
Nachdem am Mittwochnachmittag MyBlog mal wieder nicht wirklich zu erreichen war, hatte ich spontan die Schn*** voll. Deswegen bin ich umgezogen. Und zwar hier her.
Optisch ein wenig neutraler, hat sich ansonsten aber nichts verändert. Ich hoffe, dass Ihr mir auch hier treu sein werdet!
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